Rutil ist Titandioxid und kristallisiert bei deutlich höheren Temperaturen als Quarz. In einer abkühlenden Kluft fällt er deshalb zuerst aus und bildet lange, dünne Nadeln — tetragonal, mit ausgeprägter Streckung entlang der Hauptachse. Zu diesem Zeitpunkt ist von Quarz noch nichts zu sehen.
Erst wenn die Lösung weiter abgekühlt ist, beginnt der Quarz zu wachsen. Er umschließt die vorhandenen Nadeln, ohne sie zu verschieben oder zu zerbrechen. Genau daran erkennt man die Reihenfolge: Die Nadeln laufen ungestört durch den Kristall, oft von einer Fläche zur anderen, und sie enden nicht an Wachstumsgrenzen.
Warum manche Nadeln sternförmig stehen
Häufig sitzen Rutilnadeln auf einer dünnen Hämatit-Tafel auf und strahlen von dort im 60-Grad-Winkel nach außen. Das ist kein Zufall, sondern Epitaxie: Rutil und Hämatit haben in einer Richtung fast dieselben Gitterabstände, sodass der Rutil die Struktur der Unterlage übernimmt. Solche Rutilsterne sind unter Sammlern besonders gesucht.
Die Farbe der Nadeln reicht von goldgelb über kupferrot bis fast schwarz. Sie hängt am Eisengehalt: Je mehr Eisen den Titanplatz einnimmt, desto dunkler wird der Rutil.