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Mineralklassen

Wie Mineralien wissenschaftlich eingeteilt werden

Mineralien werden nach ihrer chemischen Zusammensetzung und Kristallstruktur eingeteilt. Die gebräuchlichste Ordnung ist die Strunz-Systematik mit zehn Hauptklassen — von den Elementen über Oxide und Carbonate bis zu den Silikaten, der mit Abstand größten Gruppe.

Wer anfängt zu sammeln, ordnet zuerst nach Farbe. Das funktioniert genau so lange, bis der erste grüne Stein ein Malachit und der zweite ein Uwarowit ist — chemisch haben die beiden nichts miteinander zu tun. Die Mineralogie ordnet deshalb nicht nach Aussehen, sondern nach dem, was ein Mineral ausmacht: seiner chemischen Zusammensetzung und der Art, wie seine Bausteine im Kristallgitter angeordnet sind.

Auf dieser Seite findest du die zehn Klassen mit ihren typischen Vertretern — und in der letzten Spalte jeweils die Minerale, die bei uns im Lexikon stehen. So siehst du nicht nur die Systematik, sondern auch echte Stücke dazu.

Die zehn Mineralklassen

Die letzte Spalte zeigt, welche Minerale aus unserem Lexikon in der jeweiligen Klasse stehen — mit eigenen Fotos und, wo belegt, mit Fundort.

Klasse Kennzeichnender Bestandteil Typische Beispiele In unserem Lexikon
1. Elemente nur ein chemisches Element oder Legierungen Gold, Silber, Kupfer, Diamant, Graphit, Schwefel Kupfer
2. Sulfide und Sulfosalze Schwefel ohne Sauerstoff, meist mit Metallen Pyrit, Galenit, Zinnober, Chalkopyrit Antimonit (Stibnit)Pyrit
3. Halogenide Fluor, Chlor, Brom oder Iod Fluorit, Halit, Sylvin Fluorit
4. Oxide und Hydroxide Sauerstoff beziehungsweise Hydroxidgruppen Quarz, Hämatit, Magnetit, Korund, Goethit AmethystBergkristallBrucitCitrinRauchquarzRosenquarzTraubenachatZinkit
5. Carbonate und Nitrate Carbonat- oder Nitratgruppen Calcit, Aragonit, Dolomit, Malachit, Azurit AzuritCalcitMalachitRhodochrosit
6. Borate Boratgruppen Borax, Ulexit, Colemanit
7. Sulfate und verwandte Verbindungen unter anderem Sulfat-, Chromat-, Molybdat- oder Wolframatgruppen Gips, Baryt, Coelestin, Krokoit, Scheelit Coelestin (Celestin)
8. Phosphate, Arsenate und Vanadate entsprechende Sauerstoffverbindungen Apatit, Türkis, Variscit, Vanadinit Vanadinit
9. Silikate und Germanate Silizium-Sauerstoff-Bausteine Feldspat, Beryll, Turmalin, Granat, Jadeit, Glimmer ApophyllitAquamarinArfvedsonitChrysokollDioptasLabradoritThomsonitTitanitTurmalinUwarowit
10. Organische Verbindungen natürlich entstandene organische Stoffe Whewellit, Mellit; häufig wird auch Bernstein in diesem Umfeld behandelt

Besonders wichtig: die Silikate

Silikate bilden die größte und geologisch wichtigste Mineralgruppe. Unterteilt werden sie danach, wie ihre Silizium-Sauerstoff-Tetraeder miteinander verbunden sind — vom einzelnen Baustein bis zum durchgehenden Gerüst.

Untergruppe Aufbau Beispiele In unserem Lexikon
Inselsilikate einzelne, voneinander getrennte Tetraeder Granat, Olivin, Zirkon TitanitUwarowit
Gruppensilikate kleine Tetraedergruppen Epidot, Zoisit
Ringsilikate ringförmige Anordnung Beryll, Turmalin AquamarinDioptasTurmalin
Kettensilikate einfache oder doppelte Ketten Pyroxene, Amphibole Arfvedsonit
Schichtsilikate übereinanderliegende Schichten Glimmer, Talk, Serpentin ApophyllitChrysokoll
Gerüstsilikate dreidimensionales Gerüst Feldspäte, Zeolithe LabradoritThomsonit

Zwei Fälle, die regelmäßig für Verwirrung sorgen

Warum gehört Quarz nicht zu den Silikaten?

Weil seine Formel SiO₂ lautet: reines Silizium und Sauerstoff, ohne die Bausteine, die ein Silikat ausmachen. Mineralogisch steht Quarz deshalb bei den Oxiden — obwohl er Silizium enthält und obwohl er in Gesteinen ständig neben echten Silikaten auftritt. Bergkristall, Amethyst, Citrin, Rauchquarz und Rosenquarz sind bei uns aus genau diesem Grund alle unter „Oxide (Quarzgruppe)" geführt.

Ist Lapis Lazuli ein Mineral?

Nein — und das ist der zweite Stolperstein. Lapis Lazuli ist ein Gestein, also eine Mischung mehrerer Minerale. Es lässt sich deshalb in keine Mineralklasse einsortieren. Das blaue Hauptmineral darin ist Lasurit und gehört zu den Gerüstsilikaten; dazu kommen meist Calcit und Pyrit. Wer nach der Formel von Lapis Lazuli sucht, sucht nach etwas, das es nicht gibt. Zur Lexikonseite

Andere Wege, Mineralien zu ordnen

Die chemische Klasse ist die sauberste Haupteinteilung — für eine Datenbank ist sie deshalb erste Wahl. Daneben sind je nach Frage andere Ordnungen nützlicher:

  • Kristallsystem — kubisch, hexagonal, trigonal, tetragonal, orthorhombisch, monoklin oder triklin. Steht bei uns auf jeder Mineralseite im Steckbrief.
  • Entstehung — magmatisch, hydrothermal, sedimentär oder metamorph. Wie sich die Entstehung an der fertigen Form ablesen lässt, steht unter Echte Kristalle erkennen.
  • Eigenschaften — Härte, Farbe, Dichte, Spaltbarkeit oder Glanz. Praktisch beim Bestimmen, aber unzuverlässig als Haupteinteilung: Farbe schwankt innerhalb derselben Art oft stärker als zwischen zwei Arten.
  • Verwendung — Schmuckstein, Erzmineral, Industriemineral oder Sammlermineral. Handelsübliche Ordnung, mineralogisch aber ohne Aussagekraft.

Welche Einteilung ist für eine Mineraliensammlung die beste?

Für eine Datenbank oder eine geordnete Sammlung ist die chemisch-mineralogische Klasse nach Strunz die sauberste Haupteinteilung: Sie ist eindeutig, international gebräuchlich und ändert sich nicht, wenn ein Stück anders aussieht als erwartet. Farbe, Größe und Herkunft eignen sich gut als zusätzliche Merkmale — als Hauptordnung führen sie schnell in die Irre.

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