Mineralien bestimmen
Härte, Strich, Glanz und Spaltbarkeit
Ein Mineral bestimmt man nicht an der Farbe, sondern an Eigenschaften, die sich nicht täuschen lassen: Ritzhärte nach Mohs, Strichfarbe auf unglasiertem Porzellan, Art des Glanzes und das Verhalten beim Brechen. Erst die Kombination führt zu einem belastbaren Ergebnis.
Wer einen unbekannten Stein vor sich hat, greift zuerst zur Farbe — und liegt damit am häufigsten falsch. Fluorit gibt es violett, grün, blau, gelb und farblos; alles derselbe Stoff. Umgekehrt sehen Pyrit und Gold auf den ersten Blick ähnlich aus, unterscheiden sich aber sofort, sobald man sie über Porzellan zieht.
Die folgenden vier Merkmale kosten nichts außer einer Porzellanscherbe, einem Taschenmesser und etwas Licht — und sie stehen bei uns auf jeder Mineralseite im Steckbrief.
Härte nach Mohs
Die Skala ist eine Rangfolge, keine Messung: Jedes Mineral ritzt alle weicheren und wird von allen härteren geritzt. Zwischen 9 und 10 liegt in Wahrheit ein größerer Abstand als zwischen 1 und 9. Die letzte Spalte zeigt unsere Minerale, eingeordnet nach ihrer unteren Härtegrenze.
| Stufe | Referenzmineral | Probe von Hand | In unserem Lexikon |
|---|---|---|---|
| 1 | Talk | mit dem Fingernagel schabbar | — |
| 2 | Gips | mit dem Fingernagel ritzbar | Antimonit (Stibnit) 2Brucit 2,5–3Chrysokoll 2–4Kupfer 2,5–3 |
| 3 | Calcit | mit einer Kupfermünze ritzbar | Azurit 3,5–4Calcit 3Coelestin (Celestin) 3–3,5Malachit 3,5–4Rhodochrosit 3,5–4,5Vanadinit 3 |
| 4 | Fluorit | mit einem Messer leicht ritzbar | Apophyllit 4,5–5Fluorit 4Zinkit 4–5 |
| 5 | Apatit | mit einem Messer noch ritzbar | Arfvedsonit 5,5–6Dioptas 5Lapis Lazuli 5–5,5Thomsonit 5–5,5Titanit 5–5,5 |
| 6 | Feldspat | ritzt Fensterglas, Messer versagt | Labradorit 6–6,5Pyrit 6–6,5Traubenachat 6,5–7 |
| 7 | Quarz | ritzt Fensterglas mühelos | Amethyst 7Aquamarin 7,5–8Bergkristall 7Citrin 7Rauchquarz 7Rosenquarz 7Turmalin 7–7,5Uwarowit 7,5 |
| 8 | Topas | ritzt Quarz | — |
| 9 | Korund | ritzt Topas | — |
| 10 | Diamant | ritzt alles | — |
Strichfarbe — das ehrlichste Merkmal
Reibt man ein Mineral über unglasiertes Porzellan, bleibt sein Pulver zurück. Diese Strichfarbe ist unabhängig von der äußeren Farbe und lässt sich nicht fälschen. Bei den meisten unserer Minerale ist sie schlicht weiß — dann sagt sie nichts aus. Interessant wird sie bei diesen Stücken, wo Farbe und Strich auseinandergehen:
| Mineral | Farbe des Stücks | Strichfarbe |
|---|---|---|
| Antimonit (Stibnit) | bleigrau, oft mit bunten Anlauffarben (blau, violett, iri... | bleigrau bis schwarz |
| Arfvedsonit | tiefschwarz bis dunkelgrün-schwarz, im Anschliff bläulich... | grau bis graugrün |
| Azurit | azurblau bis tief dunkelblau | hellblau |
| Chrysokoll | türkisblau, blaugrün, seltener braun durchsetzt | weißlich bis hellgrün |
| Dioptas | smaragdgrün bis blaugrün | grün |
| Kupfer | frisch kupferrot, häufig braun bis schwarz angelaufen, of... | kupferrot, metallisch glänzend |
| Lapis Lazuli | intensives Ultramarinblau bis Azurblau, oft mit weißen Ca... | hellblau bis weißlich |
| Malachit | smaragdgrün bis dunkelgrün, meist gebändert | hellgrün |
| Pyrit | messinggelb, oft bunt angelaufen | grünlich schwarz |
| Titanit | braun, grün, gelb, grau, schwarz, selten rosa oder farblos | weiß bis grau |
| Vanadinit | orangerot, rubinrot, braun, gelb | weißlich gelb |
| Zinkit | tiefrot, orangerot, gelb, braunrot (reines synthetisches ... | orangegelb |
Glanz
Der Glanz beschreibt, wie eine Oberfläche das Licht zurückwirft. Er ist schnell beurteilt und grenzt schon einmal grob ein — Metallglanz etwa kommt nur bei undurchsichtigen Mineralen vor.
- Glasglanz — der häufigste Glanz überhaupt — wie eine Glasscherbe AmethystApophyllitAquamarinArfvedsonitAzuritBergkristallBrucitCalcitChrysokollCitrinCoelestin (Celestin)DioptasFluoritLabradoritRauchquarzRhodochrositRosenquarzThomsonitTitanitTurmalinUwarowit
- Metallglanz — spiegelnd wie poliertes Metall, immer undurchsichtig Antimonit (Stibnit)ArfvedsonitKupferLapis LazuliPyrit
- Diamantglanz — härter funkelnd als Glas, bei hoher Lichtbrechung TitanitVanadinitZinkit
- Fettglanz — wirkt wie eingeölt, oft auf Bruchflächen Lapis LazuliVanadinitZinkit
- Seidenglanz — weicher Schimmer bei faserigen Aggregaten ArfvedsonitMalachitThomsonit
- Perlmuttglanz — schillernd auf glatten Spaltflächen ApophyllitBrucitCalcitCoelestin (Celestin)Labradorit
- Wachsglanz bis matt — stumpf, bei dichten oder mikrokristallinen Stücken ChrysokollMalachitTraubenachat
Spaltbarkeit und Bruch
Spaltbarkeit heißt: Das Mineral zerbricht bevorzugt entlang bestimmter Ebenen, weil dort die Bindungen im Gitter am schwächsten sind. Die Bruchflächen sind dann glatt und spiegelnd. Fehlt diese Schwäche, spricht man vom Bruch — bei Quarz etwa muschelig, also mit gewölbten, glasscherbenartigen Flächen.
Warum spaltet Fluorit so glatt und Quarz gar nicht?
Fluorit hat vollkommene Spaltbarkeit nach dem Oktaeder: Ein Schlag genügt, und es entstehen glatte Dreiecksflächen. Quarz besitzt keine Spaltbarkeit, weil sein Gerüst in alle Richtungen gleich fest gebunden ist. Deshalb sind geschlagene Quarze muschelig gebrochen und nie glattflächig.
Kann man mit Härte allein bestimmen?
Selten. Härte grenzt ein, aber viele Minerale teilen sich denselben Wert — auf Stufe 7 stehen bei uns allein fünf Quarzvarietäten plus Turmalin. Erst die Kombination aus Härte, Strich, Glanz, Spaltbarkeit und Kristallform führt zu einer belastbaren Bestimmung. Und für die Kristallform lohnt der Blick auf die Kristallsysteme.
Warum ist Farbe das unzuverlässigste Merkmal?
Weil dieselbe Art in fast jeder Farbe auftreten kann: Fluorit gibt es violett, grün, blau, gelb und farblos — alles derselbe Stoff. Umgekehrt sehen völlig verschiedene Minerale gleich aus. Farbe ist ein Hinweis, nie ein Beweis.











































