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Gwindel

Der verdrehte Bergkristall aus den Alpen

Ein Gwindel ist kein einzelner Kristall, sondern ein Stapel tafeliger Quarze, die alle in dieselbe Richtung gegeneinander verdreht sind. Das Ergebnis wirkt wie ein tordierter Balken. Warum die Drehung immer gleichsinnig verläuft, ist bis heute nicht abschließend geklärt.

Gwindel gehören zu den begehrtesten Alpinmineralien überhaupt, und wer einen in der Hand hält, versteht warum: Der Kristall sieht aus, als hätte ihn jemand wie ein Handtuch ausgewrungen. Der Name stammt aus der Sprache der Schweizer Strahler und meint genau das — gewunden.

Ungewöhnlich ist daran nicht nur die Form, sondern dass die Mineralogie sie bis heute nicht restlos erklären kann.

Echt, behandelt oder gezüchtet?

Gwindel sind teuer, und wo es teuer wird, wird auch getrickst. Verdrehen lässt sich ein Quarz nachträglich nicht — die Torsion ist gewachsen und hört an den Lagengrenzen sauber auf. Das eigentliche Risiko liegt bei der Herkunftsangabe: Schweizer Gwindel erzielen deutlich höhere Preise als solche aus anderen Vorkommen. Ohne belegbaren Fundort ist eine Herkunftsangabe nur so viel wert wie das Vertrauen in den Verkäufer.

Wie es entsteht

Ein Gwindel besteht aus vielen tafeligen Einzelkristallen, die parallel übereinandersitzen — aber jeder ein kleines Stück gegen den vorigen verdreht. Summiert über die ganze Säule ergibt das eine Torsion, die 90 Grad und mehr erreichen kann. Fachlich heißt das subparallele Verwachsung.

Gwindel wachsen in alpinen Zerrklüften: Spalten, die sich während der Gebirgsbildung öffneten und in denen heiße, kieselsäurehaltige Lösungen zirkulierten. Die Kristalle sitzen meist mit schmaler Basis an der Kluftwand und wachsen frei in den Hohlraum hinein.

Warum die Drehung? Eine offene Frage

Hier ist Ehrlichkeit angebracht: Es gibt mehrere Erklärungsversuche, aber keinen allgemein akzeptierten. Diskutiert wird ein Zusammenhang mit der Händigkeit des Quarzes — Quarzkristalle sind rechts- oder linksdrehend gebaut —, ebenso eine langsame Scherbewegung der Kluftwände während des Wachstums, die jede neue Lage minimal versetzt.

Auffällig ist, dass in einer Kluft meist alle Gwindel in dieselbe Richtung drehen. Das spricht für eine äußere Ursache und gegen eine reine Gittereigenschaft. Belegt ist es nicht.

Woran man es erkennt

Tafeliger, breitgedrückter Habitus statt der üblichen gedrungenen Säule — das ist die Voraussetzung, ohne die keine Torsion sichtbar würde. Dazu die Verdrehung um die Längsachse, erkennbar an den Kanten, die schräg über den Kristall laufen statt gerade.

Auf den Prismenflächen zeigen sich häufig feine Absatzstufen — die Grenzen zwischen den einzelnen Lagen. Ein Gwindel ist damit auch von bloßem Auge als Stapel erkennbar, nicht als durchgehender Einkristall.

Verwandt, aber nicht dasselbe ist der Tessiner Habitus: steil zulaufende, spitze Bergkristalle aus denselben Alpenklüften, jedoch ohne Verdrehung.

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