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Doppelender

Kristalle, die frei gewachsen sind

Ein Doppelender ist an beiden Enden mit Kristallflächen ausgebildet. Das gelingt nur, wenn der Kristall frei in weichem Sediment oder schwebend in einer Lösung wächst, statt mit einem Fuß auf einer Unterlage aufzusitzen.

Die allermeisten Kristalle haben eine Spitze und einen Fuß. Der Fuß ist die Stelle, an der sie festgewachsen sind — dort konnte sich nie eine Fläche ausbilden, weil dort das Muttergestein war.

Ein Doppelender hat diesen Fuß nicht. Er ist rundum ausgebildet, und das erzählt sofort etwas über seine Entstehung: Er hatte keinen festen Halt.

Echt, behandelt oder gezuechtet?

Ist ein geschliffener Doppelender eine Fälschung?

Eine Fälschung nicht, aber etwas anderes als ein gewachsener — und der Unterschied wird im Handel oft verschwiegen. Aus einem gewöhnlichen Kristall oder einem Rohstein lässt sich eine beidseitige Spitze schleifen. Woran du es siehst: Die geschliffenen Flächen sind zu eben und zu gleichmäßig, die Kanten zu scharf, die Symmetrie zu perfekt. Vor allem aber fehlt die Querstreifung auf den Prismenflächen — sie wird beim Schleifen mit abgetragen. Unter der Lupe zeigen sich manchmal noch feine, parallele Politurspuren.

Warum sind Doppelender meistens klein?

Weil frei gewachsene Kristalle keinen unbegrenzten Raum und keinen dauerhaften Nachschub haben. Ein Kristall an einer Kluftwand kann über lange Zeit weiterwachsen; einer, der lose im Ton liegt, ist auf das beschränkt, was um ihn herum vorhanden ist. Zentimetergroße Stücke sind normal, handgroße eine Ausnahme.

Sind Herkimer-Diamanten echte Diamanten?

Nein. Es sind Bergkristalle, also Quarz. Der Name ist eine Handelsbezeichnung, die auf den außergewöhnlichen Glanz und die klare, gedrungene Form anspielt. Mit Härte 7 stehen sie deutlich unter Diamant mit Härte 10. Wer sie als Diamanten verkauft, täuscht — wer sie als Herkimer verkauft, benutzt einen eingeführten Fundortnamen.

Wie es entsteht

Damit ein Kristall an beiden Enden wachsen kann, muss die nährende Lösung ihn von allen Seiten erreichen. Dafür gibt es im Wesentlichen zwei Situationen.

Die erste ist weiches Sediment: Der Kristall bildet sich in Ton, Lehm oder Mergel. Das Material ist nachgiebig genug, dass es kein Wachstumshindernis darstellt, und gleichzeitig fein genug, dass die Lösung zirkulieren kann. Der Kristall liegt darin eingebettet wie eine Frucht im Teig.

Die zweite ist ein kleiner, ganz mit Lösung gefüllter Hohlraum. Die bekanntesten Beispiele sind die sogenannten Herkimer-Diamanten aus dem Bundesstaat New York — kurze, gedrungene Bergkristalle mit brillantem Glanz, die in Hohlräumen eines Dolomitgesteins gewachsen sind. Mit Diamant haben sie nichts zu tun; der Name kommt allein vom Glanz.

Beides erklärt auch, warum Doppelender meist klein bleiben: Ein Kristall, der nirgends aufsitzt, hat begrenzten Raum und begrenzten Nachschub. Große, saubere Doppelender sind deshalb ungleich seltener als große Einzelspitzen.

Woran man es erkennt

  • Beide Enden tragen echte Kristallflächen mit sauberen Kanten und Winkeln — keine matte Bruchstelle.
  • Die Prismenflächen zeigen die typische Querstreifung des Quarzes, die über die ganze Länge durchläuft.
  • Die beiden Enden sind selten exakt gleich groß oder gleich ausgebildet — natürliches Wachstum ist nicht symmetrisch.
  • Häufig sitzen Reste des umgebenden Sediments in kleinen Vertiefungen.

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